Die Norm DIN VDE 0100-600 regelt die Erstprüfung elektrischer Anlagen. In diesem Beitrag von 123Ingenieure erhalten Sie einen Wegweiser durch die Inhalte der Norm und erfahren, wie die Abnahmeprüfung abläuft, welche Messungen vorgeschrieben sind, wer nach DIN VDE 0100 Teil 600 prüfen darf und wie viel eine Prüfung bei uns kostet.
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Was sind VDE-Normen?
Dabei handelt es sich um Normen des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE), die in Deutschland als allgemein anerkannte Regeln der Elektrotechnik fungieren.
Mit elektrotechnischen Regeln im Sinne der DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ sind diese VDE-Normen gemeint.
Die Normenreihe DIN VDE 0100 („Errichten von Niederspannungsanlagen“) regelt verbindlich die Planung, Errichtung und Prüfung elektrischer Anlagen bis 1000 V Wechselspannung oder 1500 V Gleichspannung. Die VDE 0100-Normen gewährleisten den Schutz von Personen, Nutztieren und Sachwerten vor elektrischem Schlag, Brand und thermischen Einflüssen.
Was regelt die DIN VDE 0100-600?
Die DIN VDE 0100 Teil 600 mit dem Titel „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen“ legt die Anforderungen an die Erstprüfung vor der Inbetriebnahme von elektrischen Anlagen fest. Mit dieser Abnahmeprüfung stellt eine Elektrofachkraft fest, ob die Anforderungen bei der Errichtung der elektrischen Niederspannungsanlage eingehalten wurden.
Somit ist die DIN VDE 0100-600 sowohl für die DGUV V3 Prüfung im gewerblichen Bereich als auch für die DGUV V4 Prüfung in öffentlich-rechtlichen Einrichtungen relevant, da sie die technische Norm für die Erstprüfung neuer oder geänderter elektrischer Anlagen darstellt. Im Gegensatz dazu regelt die DIN VDE 0105-100 die wiederkehrenden Prüfungen von elektrischen Anlagen während des Betriebs.
Die Prüf-Normen für ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel
Bis 2021 gab es für die Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel die kombinierte Norm DIN VDE 0701-0702. Danach wurden sie in zwei eigenständige Bereiche getrennt:
- Seit Mai 2021 heißt die Norm für Geräte nach einer Reparatur oder Änderung DIN EN 50678 VDE 0701 („Allgemeines Verfahren zur Überprüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen von Elektrogeräten nach der Reparatur“).
- Seit Juni 2021 gilt für die wiederkehrende Prüfung von ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmitteln die DIN EN 50699 VDE 0702 („ „Wiederholungsprüfung für elektrische Geräte“).
Während die DIN Normen VDE 0701 und VDE 0702 den technischen Ablauf der Elektroprüfung beschreiben, nennt die DGUV Vorschrift 3 die Richtwerte für die Prüfintervalle. Die rechtlich bindende Grundlage für die tatsächlichen Prüffristen im Unternehmen bildet jedoch die Gefährdungsbeurteilung, die jeder Unternehmer gemäß der Betriebssicherheitsverordnung (§ 3 BetrSichV) individuell erstellen muss.
Anwendungsbereich und Kernforderungen der VDE 0100-600
Die Norm fordert, dass jede Anlage, soweit sinnvoll durchführbar, während der Errichtung und nach Fertigstellung geprüft werden muss, bevor sie vom Benutzer in Betrieb genommen wird. Diese Forderung gilt ebenso für elektrische Anlagen, die geändert und/oder erweitert werden.
Zudem wird durch die Anwendung dieser Norm überprüft, ob die elektrische Sicherheit einer bereits bestehenden Anlage bei einer Erweiterung weiterhin vollumfänglich gewährleistet ist.
Wie läuft die Erstprüfung nach VDE 0100-600 ab?
Bevor mit der eigentlichen Prüfung begonnen werden kann, ist es entscheidend, die elektrische Anlage zunächst genau kennenzulernen, um den erforderlichen Prüfungsumfang präzise festlegen zu können.
Wichtige Hilfestellungen bietet dabei die Norm VDE 0100-510 („Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-51: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel Allgemeine Bestimmungen“). Sie gibt unter anderem Aufschluss über die fachgerechte Kennzeichnung sowie den Aufbau der Anlage und liefert verbindliche Aussagen zur farblichen Kennzeichnung von Kabeln und Leitungen, wie Außenleiter, Neutralleiter, Schutzleiter und PEN-Leiter. Die Norm sorgt somit für eine bessere Übersicht in der Anlage und hilft dabei, Fehlanschlüsse sowie elektrische Risiken zu vermeiden. Auf Basis dieser Vorbereitung erfolgt die eigentliche Elektroprüfung nach DIN VDE 0100-600 immer in vier Schritten:
- Besichtigung (Sichtprüfung)
- Messung
- Erprobung
- Protokollierung und Dokumentation
Die Sichtprüfung oder Besichtigung der elektrischen Anlage
Bei der Besichtigung einer elektrischen Anlage müssen verschiedene Punkte kontrolliert werden. Der wichtigste Aspekt ist dabei der „Schutz gegen direktes Berühren“, weil es immer wieder zu schweren Arbeitsunfällen durch Stromschläge kommt. Um hier präventiv entgegenzuwirken, wird dieser Punkt in zwei Bereiche unterteilt.
- Erstens erfolgt die Prüfung auf Stromschlag durch direktes Berühren. Solche Mängel können nur im Zuge einer Besichtigung erkannt werden.
- Zweitens wird der Schutz gegen Stromschlag durch indirektes Berühren betrachtet.
Erst, wenn bei der Besichtigung gemäß DIN VDE 0100 Teil 600 keine Fehler gefunden wurden, darf der zweite Schritt der Elektroprüfung durchgeführt werden.
Messungen nach VDE 0100-600
Diese Messungen dienen nicht nur der allgemeinen Sicherheit der elektrischen Anlage, sondern sind auch in Hinsicht auf Personenschutz und Brandschutz von großer Bedeutung.
Ein besonders wichtiger Punkt ist die Messung des Isolationswiderstands, da Elektroinstallationen bei rund einem Drittel aller Gebäudebrände als Brandverursacher identifiziert werden. Auch technische Defekte lassen sich in der Praxis fast immer auf Isolationsprobleme innerhalb der elektrischen Anlage zurückführen.
Ebenfalls vorgeschrieben ist der Nachweis der Niederohmigkeit des Schutzleiters, um sicherzustellen, dass im Fehlerfall eine gefährliche Berührungsspannung sofort abgeleitet wird. Weitere Bestandteile der Prüfung sind die Messung der Netzinnenimpedanz zur Überprüfung des Kurzschlussschutzes, die allgemeine Spannungsprüfung sowie die Ermittlung des Erdungswiderstandes oder des Erdschleifenwiderstandes.
Eine Schleifenmessung (Schleifenimpedanz) ist dabei nicht in jedem Fall uneingeschränkt möglich. Dies liegt oft daran, dass bei Messungen in Stromkreisen, die durch einen Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD) gesichert sind, der Prüfstrom das Schutzorgan ungewollt auslösen kann, sofern das verwendete Messgerät nicht über eine spezielle Funktion zur Vermeidung der RCD-Auslösung verfügt.
Nach DIN VDE 0100-600 sind bei der Erstprüfung von Niederspannungsanlagen verpflichtend folgende Messungen und Prüfungen durchzuführen, um die Sicherheit und Funktion einer elektrischen Anlage zu gewährleisten:
- Durchgängigkeit der Schutzleiter und des Potenzialausgleichs (niederohmig)
- Isolationswiderstand zwischen aktiven Leitern sowie zwischen aktiven Leitern und Erde
- Schutz durch automatische Abschaltung wie die Schleifenimpedanz sowie die Einhaltung der Abschaltbedingungen
- RCD-Prüfung zur Wirksamkeit von FI-Schutzschaltern durch Ermittlung von Auslösezeit und Auslösestrom
- Erdungswiderstand, sofern dieser für die gewählte Schutzmaßnahme erforderlich ist
- Prüfung der Polarität und der Phasenfolge bei allen Drehstromsystemen
Erprobung der Anlage vor der Erstinbetriebnahme
Das primäre Ziel dieses Schrittes ist die Bestätigung der Wirksamkeit aller Schutzmaßnahmen sowie die Verifizierung der korrekten Installation durch eine Elektrofachkraft, um die Personen- und Anlagensicherheit zu garantieren. Die Erprobung stellt sicher, dass die Anlage ordnungsgemäß arbeitet und alle sicherheitsrelevanten Komponenten im Ernstfall zuverlässig reagieren.
Falls im Rahmen dieser Überprüfung ein Fehler festgestellt wird, müssen sämtliche Erprobungen und Messungen, die durch diesen Mangel beeinflusst worden sein könnten, nach der Behebung des Fehlers noch einmal wiederholt werden.
Dokumentation gemäß DIN VDE 0100-600
Sämtliche Ergebnisse der durchgeführten Prüfungen müssen vollständig in einem Prüfbericht dokumentiert werden, um die rechtssichere Inbetriebnahme der elektrischen Anlage nach DIN VDE 0100-600 zu gewährleisten.
Im Protokoll wird festgehalten, ob es sich um eine Neuanlage, eine Erweiterung oder eine Änderung der elektrischen Installation handelt. Neben den Rahmendaten zum Auftraggeber und zur Anlage wird auch die vorliegende Netzform, beispielsweise ein TN-S-System oder ein TT-System, verbindlich dokumentiert.
Die Dokumentation enthält zudem genaue Angaben darüber, welche Elektrofachkraft die Prüfung durchgeführt hat und in welchem Zeitraum diese erfolgte.
Ein wichtiger Punkt ist hier die Auflistung der verwendeten Messgeräte unter Angabe von Fabrikat und Typ. In diesem Zusammenhang ist auch die Kalibrierung wichtig, da gemäß der DIN VDE 0100 Teil 600 nur kalibrierte Prüf- und Messgeräte verwendet werden dürfen.
In den technischen Teil des Berichts fließen sämtliche Details zu den einzelnen Stromkreisen ein, wobei insbesondere die Anzahl der Steckdosen sowie die jeweilige Leitungsart und deren Querschnitt erfasst werden. Auch die Kenndaten der Überstromschutzeinrichtungen und Fehlerstromschutzschalter werden im Bericht detailliert festgehalten.
Alle ermittelten Messergebnisse werden ebenfalls im Prüfprotokoll eingetragen. Falls eine Messung nicht möglich war, wird der Wert stattdessen berechnet und dokumentiert. Abschließend bewertet die Elektrofachkraft, ob die Anlage sicher ist oder Mängel aufweist. Auch der Termin für die nächste Prüfung nach DIN VDE 0105-100 (wiederkehrende Prüfung) muss im Prüfprotokoll eingetragen werden.
Wer darf die Elektroprüfung nach DIN VDE 0100-600 durchführen?
Die Erstprüfung einer elektrischen Anlage ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die der Sicherheit von Menschen und Sachwerten dient. Daher darf diese Prüfung nach den geltenden Regeln der Technik ausschließlich von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden.
Die rechtlichen und fachlichen Grundlagen finden sich in der DIN VDE 1000-10 („Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“), die im Juni 2021 in einer novellierten Fassung in Kraft getreten ist sowie in der Technischen Regel für Betriebssicherheit TRBS 1203 („Zur Prüfung befähigte Personen“). Eine Elektrofachkraft muss dabei folgende Kriterien erfüllen.
- Die prüfende Person hat eine elektrotechnische Fachausbildung, einen Meisterbrief oder ein entsprechendes Studium erfolgreich abgeschlossen.
- Es muss eine nachweisbare praktische Erfahrung im Errichten und Prüfen von Niederspannungsanlagen vorliegen.
- Das Fachwissen über die aktuellen und sich ändernden VDE-Normen muss durch regelmäßige Weiterbildungen auf dem neuesten Stand gehalten werden.
- Die Person erfüllt die Anforderungen einer befähigten Person im Sinne der TRBS 1203 und kann Messgeräte sicher bedienen sowie Messergebnisse fachgerecht interpretieren.
- Der Unternehmer trägt die Verantwortung dafür, dass nur Personen mit diesen nachgewiesenen Qualifikationen für die Prüfung eingesetzt wird.
Was kostet eine Elektroprüfung nach DIN VDE 0100-600?
Die Kosten für eine Erstprüfung für elektrische Anlagen hängen vor allem von der Größe und der Anzahl der Anlagen ab. 123Ingenieure berechnet für diesen Service 85 Euro pro Stunde. In diesem Preis sind die Anfahrtskosten sowie das detaillierte Prüfprotokoll bereits enthalten, damit Sie volle Kostentransparenz ohne zusätzliche Gebühren haben.
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